Erfahrungen in der geschlossenen Psychiatrie

Heute möchte ich über meine Erfahrungen in der geschlossenen Psychiatrie schreiben. In diesen Artikel möchte ich auch auf die Klischees von Psychiatrischen Einrichtungen eingehen und euch zeigen dass es gar nicht so schlimm ist wie, wie man es sich öfters vorstellt. Die Meisten Sachen die man über eine Psychiatrische Klinik denkt kommen aus Film und Fernsehen.

Zwangsjacken und Gummizellen

In der heutigen Psychiatrie (ich rede hier von Deutschland) gibt es keine Zwangsjacken und auch keine Gummizellen. Was es aber durchaus gibt sind Zwangsmaßnamen wie eine Fixierung oder Zwangsmedikation. Diese Zwangsmaßnamen dürfen allerdings nicht so ohne weiteres angewendet werden. Für Zwangsmaßnamen ist immer ein richterliches Urteil erforderlich. Allerdings entscheiden die Richter hier meistens immer nach Aktenlage, so dass es keine Anhörung gibt. Eine Anhörung gibt es aber auf jeden Fall beim Unterbringungsbeschluss. Dieser wird (hier in Hamburg) nach den §1631b HamPsychKG Gesetz durch einen Richter beschlossen. Es gibt für den Beschluss aber auf jeden Fall eine Anhörung.

Geschlossene Unterbringung und Forensik

Auch muss man bei der geschlossenen Unterbringung zwischen der forensischen Psychiatrie (Forensik) und einer geschlossenen Psychiatrischen Station (etwa zur Kriesenintervention) unterscheiden.

Alles nur zu deinem eigenen besten!

Auch wenn man es schwer glauben kann, machen die Ärzte und Pfleger das (meistens) zu deinem eigenen Wohl! Nehmen wir mal einen Menschen als Beispiel der vor hat sich umzubringen. Suizid ist in Deutschland nicht strafbar. Wie sollte man auch einen Menschen der sich selbst das Leben genommen hat bestrafen können? Aber natürlich liegt unserer Gesellschaft viel daran das es allen gut geht. Und jemand der sich gerade in einer akuten Krise befindet, der möchte vielleicht auch gar nicht wirklich sterben, sondern weiß keinen anderen Ausweg als sich das Leben zu nehmen. Etwa ein Mädchen das vergewaltigt wurde. Doch nicht nur Traumata sind Auslöser, auch finanzielle Probleme, Liebeskummer, Stress auf der Arbeit, Mobbing in der Schule, Stress mit seinem besten Freund oder der Familie, Tod einer wichtigen Bezugsperson. Es gibt so viele Gründe warum jemand der mitten im Leben steht in die Psychiatrische Klinik muss.

Alles nur Verrückte?

Nein! Wer in eine Psychiatrie muss der ist nicht immer verrückt sondern hat viel seelisches Leid und Kummer zu ertragen. Jemand der an einer Zwangsstörung leidet ist nicht unbedingt verrückt. Viele Menschen die ich in der Psychiatrie auf der geschlossenen kennen gelernt habe, sind besser von Charakter her als die ganzen normalen Menschen. Klar haben sie andere Sichtweisen auf das Leben aber das ist mehr eine Bereicherung daran teilhaben zu können als was Negatives. Menschen wie ich die an der Borderline Störung leiden, erleben ihre Gefühle viel intensiver als Normalos, deswegen reagieren sie oft über und sehr impulsiv. Das heißt aber nicht dass sie gestört sind, in dem Sinne wie es die meisten als abwertende Form artikulieren.

Leben auf einer geschlossenen Station in der Psychiatrie

Das Leben auf einer geschlossenen Station in einer Psychiatrischen Klinik ist mit vielen Einschränkungen verbunden. Die wichtigste ist, wie der Name geschlossene Psychiatrie schon vermuten lässt; das man nicht einfach so rausgehen kann wann man will. Je nach Regeln der entsprechenden Klinik darf man auch kein Computer oder Laptop da haben, und manchmal (Schönklinik Eilbek, Station 2B zum Beispiel, war selber für paar Tage auf dieser Station) darf man nicht mal sein Plüschtier dabei haben. Das Plüschtier muss dann halt auf den Zimmer bleiben. Die gute Nachricht für alle Raucher, Raucherbereiche gibt es auf nahezu jeder geschlossenen Station. Darf man keine Feuerzeuge dabei haben (vorausgesetzt man hält sich an diese Regel, was verständlicherweise auch nicht immer alle tun) gibt es ein Zigarettenanzünder an der Wand. Diese Funktionieren so ähnlich wie die im Auto.

Der Tagesablauf (Kriesenintervention oder Therapie)

Unabhängig von Grund warum man auf der geschlossenen Station ist gibt es immer ein Basisplan für den Tagesablauf. Also aufstehen, Frühstück, Mittag, Abendbrot und die Nachtruhe. Eine Morgenrunde gibt es auf den wenigsten geschlossenen Stationen. Das hat den Grund dass nicht alle Patienten unbedingt Kooperationsbereitschaft zeigen und wirklich überall mitmachen. Arztgespräche gibt es auf jeden Fall immer. Diese werden wie auch auf offenen Stationen mit der Patientin oder den Patienten individuell Terminiert.

Wer zur Therapie auf der geschlossenen ist, der hat natürlich mehr zu tun als wer nur mit Beschluss oder zur Krise dar ist. Die Leute mit Krise oder Beschluss haben dort außer ihren Arztgesprächen er Freizeit. Die Leute die zur Therapie da sind, die müssen zu ihren Gruppensitzungen, zur Ergotherapie und so weiter.

Ein weiterer Punkt wo rüber sich die meisten Kliniken einig sind (tatsächlich ist es in Ochsenzoll auf der geschlossenen aber Erlaubt) ist Sex zu haben mit Mitpatientinnen oder Mitpatienten. Auch daran halten sich viele zwar nicht (was man auch verstehen kann). Klar ist das viele Menschen ziemlich viel Zeit zusammen auf einen relativ engen Raum verbringen. Und das sich da einige Menschen auch näher kommen ist logisch.

Fazit

Ich habe diesen Bericht hier versucht so neutral und objektiv zu halten wie ich nur konnte. Auf jeden Fall braucht man keine Angst zu haben wenn man in eine geschlossene psychiatrische Station aufgenommen werden soll. Klar gibt es vieles was einen nicht gefallen wird, anders wird ein gefallen aber letztendlich müsst ihr eure eigenen Erfahrungen sammeln.

Meine Meinung

Ich finde es zum Beispiel im UKE gar nicht so schlecht wie die meisten denken würden. Auch wenn ich nicht raus kann, die andere Frage ist denn ob ich es überhaupt will. Ich verlasse meine eigene Wohnung schon sehr selten außer wenn ich unbedingt muss, und auf der PAEG zu spazieren; da habe ich mehr Platz auf der Station als bei mir zuhause. Das Wilhelmstift (da war ich auf der Station G2), war für mich Zeitweise wirklich mein Zuhause weil ich mich dort mehr Zuhause gefühlt habe als bei meinen Eltern. Die 2D in der Schönklinik Eilbek ist für mich auch ein sehr toller Ort wo ich immer gerne Bin. Die PZNA in Ochsenzoll kann ich gar nicht leiden. Fühlt sich für mich halt wie Knast an, obwohl ich nie in einen drinnen war. AK-Harburg geht bei mir auch gar nicht klar!

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